Schülerpartizipation am John-Lennon-Gymnasium

Schülerpartizipation am John-Lennon-Gymnasium
„Unsere Schüler sollen lernen, soziale Verantwortung zu übernehmen“, sagt Jochen Pfeifer, Schulleiter des John-Lennon-Gymnasiums in Berlin-Mitte.

Der Schulleiter des John-Lennon-Gymnasiums weiß um seine vergleichsweise privilegierte Schülerschaft, von denen einige nach dem Abitur auf Eliteuniversitäten im Ausland studieren. „Doch sie sollen auch der Gesellschaft etwas zurückgeben“, findet er. Seit dem Sommer 2011 gibt es deshalb am John-Lennon-Gymnasium das Projekt Soziale Verantwortung. Jeder Schüler der Klassenstufen 8 bis 10 ist verpflichtet, sich außerhalb der Schule in einer sozialen Einrichtung zu engagieren oder aber intern eine Aufgabe zu übernehmen, die der Schulgemeinschaft zugute kommt.

Die Schulsozialarbeiter helfen bei der Vermittlung zu Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder der Jugendfeuerwehr, aber auch zur nahegelegenen Stadtbibliothek. Die Neuntklässlerin Lilli hilft beispielsweise seit anderthalb Jahren immer eine Woche in den Ferien in einer Kita. Der Kontakt war durch ihre Tante zustande gekommen. Mit Begeisterung erzählt das Mädchen von der Beschäftigung mit den Kindern. „Ich mache viele Erfahrungen. Und die Erzieherinnen freuen sich, wenn da noch jemand ist, der hilft“, sagt Lilli. Andere Schüler gehen ins Seniorenheim und nehmen sich Zeit für vereinsamte alte Menschen.
Endrik, Klassensprecher einer 8. Klasse, erzählt von zwei Mitschülern, die keine guten Noten haben und wenig Lust auf Schule. „Deswegen war ich richtig überrascht, als ich hörte, dass ihnen ihre Arbeit in einer Kita viel Spaß macht.“

Soziale und kommunikative Fähigkeiten stärken

Eine Ganztagsschule könne sich besser auch der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler widmen, um ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten zu stärken, sagt Schulleiter Pfeifer. „Laut Schulgesetz haben wir schließlich nicht nur den Auftrag zu unterrichten, sondern auch zu erziehen.“ Und das geht am besten in einer guten Schulgemeinschaft. Im Rahmen des Projekts Soziale Verantwortung übernimmt die Mehrheit der Schüler eine Aufgabe innerhalb der Schule. Dank der „Musikverantwortlichen“ sei etwa das Weihnachtskonzert der Schule in diesem Jahr zum ersten Mal reibungslos ohne große Umbaupausen über die Bühne gegangen, schwärmt Pfeifer. Ermöglicht durch den genauen Ablaufplan, den die verantwortlichen Schüler erarbeitet hatten. Immer mehr Tätigkeiten im Schulalltag werden von Schülern übernommen: Schüler verantworten das Klassenbuch, sie geben jüngeren Schülern Nachhilfe und organisieren eigenständig das Schülercafe und Schulveranstaltungen wie das Filmfest. In der Gesamt-Schüler-Vertretung werden heftige Debatten geführt. Die Schüler wissen, ihre Meinung und Entscheidungen werden am John-Lennon-Gymnasium ernst genommen und auch umgesetzt.

Sozialarbeiter übernehmen die Koordination

Das Konzept für das Projekt Soziale Verantwortung stammt von einer ehemaligen Schülersprecherin, die damit alle überzeugen konnte: die Gesamt-Schüler-Vertretung ebenso wie die Eltern. Auch die Schulkonferenz stimmte schließlich einstimmig für den Vorschlag. Umgesetzt wird das Projekt vor allem durch die beiden Sozialarbeiter an der Schule. Für die Lehrer entsteht somit kein Mehraufwand. Doch es gibt auch Probleme: „Wir sind noch in der Phase von Versuch und Irrtum.“ So hätten zunächst mehrere Schüler versucht, sich vor den zusätzlichen Pflichten zu drücken. Das geht nicht mehr: Seit diesem Jahr wird jedes Engagement mit einer Bewertung im Zeugnis vermerkt. Zudem sei von Schülern die Frage aufgekommen, ob man überhaupt zum Ehrenamt verpflichtet werden könne. „Wir müssen das Projekt künftig besser erklären. Damit die Schüler den Sinn verstehen und besser motiviert sind“, schließt Pfeifer daraus.
Das Projekt Soziale Verantwortung ist ein fester Bestandteil der Schule geworden, das der Schulleiter weiter ausbauen will. So könnten künftig auch die Klassen 7 und 11 miteinbezogen werden. Und vielleicht werden irgendwann die Schüler auch die aufwendige Verwaltung des Projektes selbst in Hand nehmen.

Text und Bild: Wibke Bergemann