Schülerpartizipation an der Alfred-Nobel-Schule

Schülerpartizipation an der Alfred-Nobel-Schule
An der Alfred-Nobel-Schule bringen Schüler und Lehrer ihre eigenen Ideen und Wünsche in Projekte und AGs ein.

Eine Ganztagsschule nimmt den Schülerinnen und Schülern einen Teil ihrer Freizeit. Dafür muss sie ihnen etwas bieten. So sieht es Renate Lecke, Schulleiterin der Alfred-Nobel-Schule in Berlin-Britz. Die Schule nutzte 2010 die Umbruchsphase bei der Zusammenlegung von Haupt- und Realschule zur Sekundarschule dazu, auf den gebundenen Ganztag umzustellen. An zwei Tagen in der Woche findet nach dem Mittagessen weiter Unterricht statt. Doch daneben gibt es nun auch den AG- und den Projektnachmittag.

Zwei Nachmittage für Projekte und AGs

Arcan und Mohammed sitzen in einem aus Holzplatten gezimmerten Cockpit und blicken konzentriert auf die an die Wand projizierte Startbahn vor ihnen. Dann gibt Mohammed Vollgas, die Beschleunigung der Triebwerke ist zu hören. In letzter Sekunde reißt Mohammed die Maschine hoch, die beiden Jungen lachen. In einer AG haben die Schüler den Flugsimulator selbst gebaut. Angeleitet wurden sie dabei von dem Mathe- und Sportlehrer René Beator, der sich schon immer fürs Fliegen interessierte. Der Flugsimulator sei mehr als ein Computerspiel, meint Beator: „In der AG wenden die Schüler die Fächer Wirtschaft, Mathe, Physik und Englisch ganz praktisch an. Und sie lernen, dass sie selbst etwas organisieren können.“ In einer weiterführenden AG sollen Schülerinnen und Schüler nun selbstständig professionelle Flugstunden in dem selbstgebauten Cockpit vermarkten.

Der Schulalltag wird von allen gestaltet

Mit dem Ganztag sei die Schule eine ganz andere geworden, meint Schulleiterin Lecke. Vor allem das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern habe sich geändert. Die Jungen und Mädchen würden ernster genommen, seit an der Schule mehr vermittelt werde als nur Lehrinhalte. Frau Lecke zählt einige Beispiele auf: Schüler werden in einem Projekt zu Pausenhelfern ausgebildet und unterstützen die Pausenaufsicht der Lehrer. Und wenn sich ein Kind an der Alfred-Nobel-Schule verletzt, werden die Schülersanitäter angepiepst. Sie werden in der Projektarbeit vom Roten Kreuz ausgestattet und geschult. „Bei den Sportveranstaltungen sind die Schülersanitäter fest eingeplant und richtig wichtig“, sagt Frau Lecke. Wieder andere Schüler machen einen Jugendleiterschein, sie sollen künftig eigene AGs leiten.

Partner entlasten die Lehrkräfte

Die Lehrer bringen ihre persönlichen Interessen und Hobbys in die AGs ein. Bei den Projekten arbeitet die Schule dagegen mit außerschulischen Partnern wie etwa der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz oder einer Zirkusschule zusammen. So sind am Projektnachmittag die Lehrerinnen und Lehrer freigestellt für Teamsitzungen. Eine Sozialpädagogin hat als Ganztagskoordinatorin die Organisation der Projekte und AGs übernommen. Denn das sei viel Arbeit, die nicht nebenbei von den Lehrkräften erledigt werden könne, sagt Schulleiterin Renate Lecke. Zusätzlich werden in einem Projektebuch alle wichtigen Informationen zwischen den außerschulischen Projektpartnern und den Lehrern schriftlich festgehalten. Damit ist klar, was in den Projekten stattfindet, wer die Betreuung übernimmt und welche Ausflüge die Schülergruppe unternimmt.

Schüler machen sich unentbehrlich

„Dass wir die Schüler jetzt häufiger an Entscheidungen beteiligen, hat mit unseren Erfahrungen zu tun“, erzählt Schulleiterin Lecke. So würden die Regeln für das Verhalten im Mittagsband, die zusammen mit den Schülerinnen und Schülern ausgearbeitet wurden, viel mehr beachtet.
Teilweise sei die vielseitige Schülerbeteiligung auch aus der Not entstanden. Die Pausenaufsicht habe an der großen Schule oft nicht gereicht. Die Schüler, die als Pausenhelfer eingesetzt werden, können diese Lücke jetzt schließen.

Text und Bild: Wibke Bergemann